Fall #04

In der Nähe meiner Wohnung gibt es acht Lebensmittelgeschäfte. Das nächste ist nur sechs Minuten zu Fuß entfernt. Zu dem am weitesten entfernten gehe ich 25 Minuten. Da muss ich dann immer wieder an die gesunden zehntausend Schritte pro Tag denken.
Der Einzelhandel wird zu mehr als 80 Prozent von einigen wenigen Supermarktketten bedient. Hier wird immer wieder auf Aktionen, Preisnachlässe und Schnäppchen im Angebot hingewiesen. Damit es noch schneller geht, werden automatische Kassen eingeführt. Doch die Spielregel aller menschlichen Beziehungen lautet: „Zeit bindet!“ Aber hier hat niemand Zeit für uns. Wie ein Stück Schlachtvieh wird man weitergeschoben. Schnell, schnell! Die ständigen Fehlfunktionen der Kassenautomaten sind abstoßend für die Kundschaft und nervtötend für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich kaufe dort ein, wo ich ein freundliches „Guten Morgen!“ höre. Ich kaufe dort ein, wo ich Menschen treffe und nicht nur Bildschirme und Kassenautomaten. Ich kaufe dort ein, wo es ein Gespräch gibt. Es muss ja nicht zu lange dauern. „Wie geht es ihnen?“ „Was macht die neue Wohnung?“ „Wie geht es ihren Kindern in der neuen Schule?“ Die freundliche Art von Mensch zu Mensch gewinnt mehr Kundschaft als teure marktschreierische Versprechen. Ich kaufe dort ein, wo man noch als Mensch wahrgenommen wird. Das ist keine Sozialromantik, das ist das menschliche Minimum.
Jeder Mensch kann freundlich sein. Das ist das offene Geheimnis der familienbetriebenen Feinkostläden, der Boutiquen und des kleinen Einzelhandels.

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